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Glossar · Aktien & Bewertung

Was ist Growth vs Value? Einfach erklärt.

Growth vs Value: Zwei Anlagestile, die du kennen musst. Hier erfährst du den Unterschied, verständlich erklärt für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Wenn du an der Börse investierst, wirst du früher oder später auf die Frage stoßen: Growth vs Value, und welcher Ansatz passt zu mir? Hinter diesen zwei Begriffen stecken grundlegend unterschiedliche Philosophien beim Aktieninvestment, die einen echten Einfluss auf dein Portfolio haben können.

Das steckt dahinter

Beim Thema Growth vs Value geht es um zwei klassische Investmentstile, die Anleger seit Jahrzehnten beschäftigen.

Growth-Aktien gehören zu Unternehmen, die überdurchschnittlich schnell wachsen, oft in Branchen wie Technologie, Software oder Biotechnologie. Diese Firmen reinvestieren ihre Gewinne lieber, als Dividenden auszuschütten. Anleger zahlen für sie häufig einen hohen Preis, gemessen etwa am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Die Wette lautet: Das zukünftige Wachstum rechtfertigt den heutigen Preis.

Value-Aktien hingegen sind Unternehmen, die der Markt im Vergleich zu ihrem tatsächlichen Wert günstig bewertet. Sie gelten oft als solide, zahlen regelmäßig Dividenden und arbeiten in etablierten Branchen, Banken, Versicherungen oder klassische Industrie. Die Idee stammt von Investoren wie Benjamin Graham und Warren Buffett: Kaufe einen Euro Wert für 70 Cent.

Das Spannende an Growth vs Value ist, dass beide Stile in unterschiedlichen Marktphasen die Nase vorn haben. Der Zinsrahmen spielt dabei eine entscheidende Rolle: In Niedrigzinsphasen glänzen häufig Wachstumswerte, weil zukünftige Gewinne im Niedrigzinsumfeld höher bewertet werden. Steigen die Zinsen, rücken substanzstarke Substanzwerte wieder in den Fokus.

Ein konkretes Beispiel

Ein gutes Beispiel dafür war die Zeit zwischen 2020 und 2022. In der Corona-Niedrigzinsphase schossen Tech-Aktien wie Zoom, Netflix oder Tesla in astronomische Höhen, klassische Wachstumswerte mit hohen Bewertungen und großen Zukunftserwartungen.

Als die Notenbanken 2022 begannen, die Zinsen drastisch anzuheben, drehte sich das Bild. Viele dieser hochbewerteten Wachstumsaktien verloren 50, 60 oder sogar 70 Prozent ihres Wertes. Gleichzeitig hielten sich Substanzwerte aus Branchen wie Energie, Banken und Konsum deutlich stabiler, einige legten sogar zu.

In meinen Webinaren erlebe ich immer wieder, dass viele Einsteiger genau in dieser Phase ihr erstes größeres Minus gemacht haben, einfach weil sie nicht wussten, dass das Zinsumfeld so stark darüber entscheidet, welcher Investmentstil gerade im Vorteil ist.

Warum ist das für dich relevant?

Das Verständnis von Growth vs Value hilft dir dabei, bessere Entscheidungen zu treffen, egal ob du langfristig investierst oder aktiv handelst. Wenn du weißt, in welchem Marktumfeld du dich befindest, kannst du gezielter auswählen, welche Art von Aktien du ins Portfolio nimmst oder im Trading bevorzugst.

Konkret bedeutet das: Beobachte die Zinsentwicklung der großen Notenbanken wie EZB oder Fed. Steigen die Zinsen, lohnt sich ein genauerer Blick auf günstig bewertete Substanzunternehmen. Sinken sie, können Wachstumsaktien wieder interessant werden.

Außerdem schärft dieses Wissen deinen Blick für Bewertungen. Du fragst dich nicht mehr nur „Ist die Aktie gerade gestiegen?“, sondern „Ist diese Aktie gemessen an ihren Fundamentaldaten günstig oder teuer?“ Das ist ein echter Qualitätssprung im Denken als Investor.

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