Wenn du anfängst, Aktien zu analysieren, begegnet dir früher oder später das KGV, das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Es gehört zu den bekanntesten Bewertungskennzahlen überhaupt und hilft dir auf einen Blick einzuschätzen, ob eine Aktie eher teuer oder eher günstig bewertet ist. Wer Aktien nicht blind kaufen will, kommt an dieser Kennzahl kaum vorbei.
Das steckt dahinter
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie, und zwar zum Jahresgewinn. Im Englischen heißt es P/E Ratio, kurz für Price-to-Earnings.
In einfachen Worten: Das KGV zeigt dir, wie viele Jahresgewinne du als Investor gerade für eine Aktie bezahlst. Liegt das KGV bei 15, zahlst du das 15-fache des aktuellen Jahresgewinns. Bei einem Wert von 30 zahlst du das Dreißigfache. Je höher die Zahl, desto teurer ist die Aktie im Verhältnis zu dem, was das Unternehmen tatsächlich verdient.
Dabei gilt: Es gibt keinen universell „richtigen“ Wert. Wachstumsstarke Technologieunternehmen werden häufig mit einem deutlich höheren Vielfaches des Gewinns gehandelt als klassische Industriekonzerne oder Versorger. Der Markt preist dort künftige Gewinne ein, nicht nur den heutigen Stand.
Wichtig zu wissen: Das KGV ist immer eine Momentaufnahme. Es verändert sich täglich, weil sich der Kurs täglich verändert, und jährlich, wenn neue Geschäftszahlen veröffentlicht werden. Als alleinstehende Kennzahl reicht es deshalb nie aus. Du willst es immer zusammen mit anderen Bewertungsmaßstäben wie dem Kurs-Buchwert-Verhältnis, der Gewinnwachstumsrate oder der Dividendenrendite betrachten.
Ein konkretes Beispiel
In meinen Webinaren nehme ich oft ein simples Beispiel, das sofort einleuchtet: Stell dir vor, eine Aktie kostet 100 Euro. Das Unternehmen dahinter verdient pro Aktie 5 Euro im Jahr. Das ergibt ein KGV von 20. Du zahlst also das Zwanzigfache des Jahresgewinns.
Zum Vergleich: Während der Hochphase des Technologiebooms um 2021 wurden viele Wachstumswerte mit einem Vielfachen des Gewinns von 50, 80 oder sogar über 100 gehandelt. Als die Zinsen stiegen und das Kapital teurer wurde, brachen genau diese Bewertungen massiv ein, weil der Markt plötzlich nicht mehr bereit war, so viele Jahresgewinne im Voraus zu bezahlen. Wer das Prinzip hinter dem Kurs-Gewinn-Verhältnis verstanden hatte, war auf diese Korrektur besser vorbereitet.
Das zeigt: Die Kennzahl sagt dir nicht, wann du kaufen sollst. Aber sie hilft dir zu verstehen, was in einer Bewertung bereits steckt, und was passiert, wenn der Markt seine Erwartungen ändert.
Warum ist das für dich relevant?
Das KGV begegnet dir ständig, in Finanzberichten, auf Analyseplattformen, in Nachrichtenartikeln über einzelne Aktien. Wenn ein Kommentator sagt, eine Aktie sei „hoch bewertet“, meint er in vielen Fällen genau das: ein überdurchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis.
Für deine konkreten Handelsentscheidungen hilft dir die Kennzahl vor allem beim Vergleich. Zwei Unternehmen aus derselben Branche, aber mit sehr unterschiedlichem Vielfaches des Gewinns, das lohnt sich zu hinterfragen. Warum bewertet der Markt das eine Unternehmen so viel höher? Ist das Wachstum wirklich stärker? Oder ist da Luft in der Bewertung?
Ich sage meinen Teilnehmern immer: Das KGV ist kein Kaufsignal, aber es ist eine sehr gute erste Frage, die du dir stellen kannst.
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