Die Wirtschaft wächst, boomt, schwächelt und erholt sich, immer wieder, in einem sich wiederholenden Muster. Genau das beschreibt der Konjunkturzyklus. Wer dieses Muster versteht, trifft bessere Entscheidungen an der Börse und weiß, wann welche Aktien besonders interessant sein können.
Das steckt dahinter
Der Konjunkturzyklus beschreibt die wiederkehrenden Schwankungen der wirtschaftlichen Aktivität über einen bestimmten Zeitraum. In einfachen Worten: Die Wirtschaft durchläuft immer wieder dieselben vier Phasen, Aufschwung, Boom, Abschwung und Rezession.
Im Aufschwung wächst die Wirtschaft, Unternehmen stellen mehr Mitarbeiter ein, die Nachfrage steigt. Der Boom ist der Höhepunkt: Vollbeschäftigung, hohe Unternehmensgewinne, steigende Preise. Dann dreht der Wind. Im Abschwung gehen Bestellungen zurück, Gewinnprognosen sinken, die Stimmung kippt. In der Rezession, technisch definiert als zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wirtschaftswachstum, schrumpft die Gesamtwirtschaft spürbar.
Danach beginnt das Spiel von vorn. Zentralbanken senken Zinsen, Regierungen investieren, die Nachfrage zieht wieder an.
Wichtig zu wissen: Nicht jeder Zyklus läuft gleich lang oder gleich stark ab. Manche Abschwünge dauern wenige Monate, andere, wie nach der Finanzkrise 2008, prägen eine ganze Dekade. Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosenquote, Einkaufsmanagerindizes und Verbrauchervertrauen sind typische Kennzahlen, mit denen Ökonomen und Analysten die aktuelle Phase des Zyklus einschätzen.
Ein konkretes Beispiel
In meinen Webinaren bringe ich oft dasselbe Beispiel, weil es so gut sitzt: Schau dir Zykliker-Aktien an, also Unternehmen, deren Geschäft stark von der allgemeinen Wirtschaftslage abhängt. Automobilhersteller, Stahl- oder Chemieproduzenten zum Beispiel.
Im Aufschwung nach der Corona-Delle ab Mitte 2020 liefen genau diese Werte außergewöhnlich stark. Der MSCI World Industrials, ein Index für Industrieunternehmen weltweit, legte von März 2020 bis Anfang 2022 über 80 Prozent zu. Wer zu diesem Zeitpunkt verstanden hatte, in welcher Phase des Konjunkturzyklus wir uns befanden, konnte gezielt auf zyklische Werte setzen.
Im Gegenzug laufen sogenannte defensive Werte, Versorger, Lebensmittelhersteller, Pharmaunternehmen, in Rezessionsphasen deutlich stabiler, weil die Menschen diese Produkte unabhängig von der Wirtschaftslage kaufen. Das Verständnis des Wirtschaftszyklus hilft dir also, dein Portfolio phasengerecht aufzustellen.
Warum ist das für dich relevant?
Als Trader oder Investor begegnet dir der Konjunkturzyklus ständig, oft ohne dass du es direkt merkst. Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen anhebt, weil die Wirtschaft überhitzt. Wenn Unternehmensberichte plötzlich schlechter ausfallen, obwohl das Unternehmen solide wirkt. Wenn Rohstoffpreise einbrechen, weil die globale Nachfrage nachlässt.
All das sind Signale aus dem laufenden Zyklus.
Wer die aktuelle konjunkturelle Phase kennt, kann bewusster entscheiden: Setze ich jetzt auf Wachstumswerte oder auf Stabilität? Erhöhe ich mein Risiko oder reduziere ich es? Du musst kein Volkswirt sein, um das einzuschätzen. Aber ein Grundverständnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge macht dich an der Börse deutlich souveräner.
In meinen Webinaren sehe ich immer wieder, wie viele Einsteiger ausschließlich auf Einzelwerte schauen, und dabei das große Bild komplett vergessen. Der Konjunkturzyklus ist genau dieses große Bild.
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