Wer regelmäßig an der Börse aktiv ist, kommt um diesen Begriff nicht herum: die Earnings Season. Gemeint sind die Wochen, in denen die meisten börsennotierten Unternehmen ihre Quartalsergebnisse veröffentlichen. Für Trader und Investoren ist das eine der spannendsten, und manchmal auch nervenaufreibendsten, Phasen des Börsenjahres.
Das steckt dahinter
Viermal im Jahr sind börsennotierte Unternehmen in vielen Ländern verpflichtet, über ihre Geschäftsentwicklung zu berichten. Sie veröffentlichen dabei Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn je Aktie und Ausblick auf das kommende Quartal. Da die meisten Unternehmen ähnliche Geschäftsjahre haben, häufen sich diese Berichte in bestimmten Wochen, genau das nennt man die Earnings Season.
In der Praxis läuft das so ab: Analysten und Banken schätzen im Vorfeld, welche Zahlen ein Unternehmen liefern wird. Diese Erwartungen, auch als Konsensschätzungen bekannt, sind entscheidend. Denn nicht die absoluten Zahlen allein bewegen den Kurs, sondern die Abweichung davon. Übertrifft ein Unternehmen die Erwartungen, spricht man von einem positiven Überraschungseffekt oder einem „Beat“, steigt der Kurs oft deutlich. Verfehlt es die Prognosen, kann es auch bei soliden Gewinnen zu einem starken Kursrückgang kommen.
Genau das macht die Earnings Season so besonders: Einzelaktien, die sich wochenlang kaum bewegen, können innerhalb von Stunden zehn, fünfzehn oder sogar zwanzig Prozent in eine Richtung springen. Diese Volatilität bietet Chancen, erfordert aber auch ein klares Verständnis der Zusammenhänge.
Ein konkretes Beispiel
Ein Beispiel, das ich immer wieder in meinen Webinaren nenne: Meta (ehemals Facebook) im Oktober 2022. Das Unternehmen meldete Quartalszahlen, die zwar noch Milliardengewinne zeigten, aber deutlich unter den Erwartungen lagen. Der Ausblick enttäuschte zusätzlich. Das Ergebnis: Die Aktie verlor innerhalb eines Tages rund 25 Prozent an Wert. Ein massiver Einbruch, obwohl das Unternehmen nach wie vor profitabel war.
Auf der anderen Seite: Nvidia im Februar 2023. Der Chiphersteller übertraf die Gewinnerwartungen deutlich und hob seinen Ausblick kräftig an. Die Aktie sprang am nächsten Handelstag um über 14 Prozent nach oben. Wer die Situation richtig eingeschätzt hatte, konnte in kurzer Zeit erhebliche Gewinne erzielen.
Diese Beispiele zeigen: Während der Berichtssaison zählt nicht nur, was ein Unternehmen verdient, sondern ob es die Erwartungen des Marktes erfüllt, übertrifft oder enttäuscht.
Warum ist das für dich relevant?
Ganz gleich, ob du Aktien langfristig hältst oder kurzfristig handelst, die Earnings Season betrifft dich direkt. Als langfristiger Investor hilft dir das Verstehen der Quartalberichte dabei, einzuschätzen, ob ein Unternehmen wirklich auf Kurs ist. Als aktiver Trader eröffnet die erhöhte Kursbewegung konkrete Handelsmöglichkeiten, zum Beispiel über gezielte Einstiegspunkte nach der Veröffentlichung.
In meinen Webinaren sehe ich immer wieder, dass viele Einsteiger in dieser Phase entweder zu impulsiv handeln oder komplett abwarten. Beides ist wenig hilfreich. Besser ist es, sich im Vorfeld einen klaren Plan zu machen: Welche Unternehmen berichten wann? Was erwartet der Markt? Und wie reagiere ich, wenn die Zahlen stark von der Prognose abweichen?
Wenn du weißt, wie die Berichtssaison funktioniert, kannst du ruhiger und gezielter handeln, statt dich von Kursschwankungen überraschen zu lassen.
Verwandte Begriffe aus Aktien & Bewertung
Begriffe kennen ist der Anfang. Märkte lesen ist das Ziel.
Im kostenlosen Live-Workshop zeigt dir Oliver, wie diese Begriffe am echten Chart zusammenspielen und wie du daraus Entscheidungen ableitest, die du nachprüfen kannst.
Kostenlos zum Live-Workshop- ● 0 €
- ● live mit Oliver Klemm
- ● verständlich für Einsteiger
- ● keine Kreditkarte