Wenn du anfängst, Aktien zu analysieren, stolperst du früher oder später über den Begriff Free Float, also den sogenannten Streubesitz. Dahinter steckt eine einfache, aber wichtige Kennzahl: Sie zeigt dir, wie viele Aktien eines Unternehmens tatsächlich frei an der Börse handelbar sind. Für Trader und Investoren ist das relevanter, als es auf den ersten Blick wirkt.
Das steckt dahinter
Stell dir vor, ein Unternehmen hat insgesamt 10 Millionen Aktien ausgegeben. Davon hält der Gründer 6 Millionen fest in seinen Händen, er verkauft sie nicht, sie sind quasi eingefroren. Die restlichen 4 Millionen Aktien können frei an der Börse gehandelt werden. Genau das ist der Free Float: jener Anteil der Aktien, der tatsächlich im Umlauf ist und den Käufer und Verkäufer täglich handeln können.
Der Streubesitz wird meist in Prozent angegeben. Ein Free Float von 40 Prozent bedeutet, dass 40 Prozent der gesamten Aktien frei verfügbar sind. Die restlichen 60 Prozent liegen bei Großaktionären, dem Management, staatlichen Beteiligungen oder anderen strategischen Investoren, die ihre Anteile nicht aktiv handeln.
Warum ist das so wichtig? Weil ein niedriger Streubesitz den verfügbaren Markt für eine Aktie dramatisch einschränkt. Weniger handelbare Aktien bedeuten oft: weniger Liquidität, größere Kurssprünge bei gleichem Handelsvolumen und eine höhere Anfälligkeit für Manipulation oder starke Kursbewegungen. Ein hoher Free Float hingegen sorgt in der Regel für stabilere Kurse, weil mehr Angebot und Nachfrage im Spiel sind und sich Preise natürlicher einpendeln können.
Ein konkretes Beispiel
In meinen Webinaren bringe ich dazu gerne ein Beispiel aus dem deutschen Markt: Viele Familienunternehmen, die an die Börse gegangen sind, weisen einen sehr niedrigen Streubesitz aus, manchmal unter 25 Prozent. Das klingt zunächst harmlos, hat aber handfeste Konsequenzen.
Nehmen wir an, ein institutioneller Investor möchte für 5 Millionen Euro Aktien eines solchen Unternehmens kaufen. Wenn täglich nur Aktien im Wert von 500.000 Euro gehandelt werden, verändert dieser eine Kauf bereits spürbar den Kurs. Der Preis steigt, nicht weil das Unternehmen besser geworden wäre, sondern schlicht weil zu wenige Aktien im Umlauf sind.
Genau das passierte in der Vergangenheit immer wieder bei kleineren Nebenwerten: Geringe Umlaufmengen führten zu starken Ausschlägen nach oben und unten, die für Einsteiger kaum einzuschätzen waren. Wer den Streubesitz im Blick hatte, war klar im Vorteil.
Warum ist das für dich relevant?
Der Free Float begegnet dir an mehreren Stellen deines Trading-Alltags. Erstens bei der Aktienauswahl: Bevor du in eine Aktie einsteigst, lohnt ein Blick auf den Streubesitz. Ist er sehr niedrig, solltest du mit höherer Volatilität rechnen und dein Risikomanagement entsprechend anpassen.
Zweitens bei Indexzugehörigkeiten: Viele bekannte Indizes, darunter der DAX oder der MSCI World, berücksichtigen bei der Gewichtung ihrer Mitglieder ausschließlich den handelbaren Anteil, also den Streubesitz. Ein Unternehmen mit niedrigem Free Float bekommt deshalb ein geringeres Gewicht im Index, selbst wenn die gesamte Marktkapitalisierung hoch ist.
Drittens beim Einschätzen von Kursreaktionen: Wenn du verstehst, wie viele Aktien tatsächlich im Umlauf sind, kannst du besser einschätzen, warum ein Kurs auf Nachrichten stark oder schwach reagiert. In einfachen Worten: Ein kleiner Streubesitz verstärkt jede Bewegung.
Kurz gesagt, wer den Free Float kennt, handelt informierter und vermeidet typische Anfängerfehler bei der Bewertung von Kursausschlägen.
Verwandte Begriffe aus Aktien & Bewertung
Begriffe kennen ist der Anfang. Märkte lesen ist das Ziel.
Im kostenlosen Live-Workshop zeigt dir Oliver, wie diese Begriffe am echten Chart zusammenspielen und wie du daraus Entscheidungen ableitest, die du nachprüfen kannst.
Kostenlos zum Live-Workshop- ● 0 €
- ● live mit Oliver Klemm
- ● verständlich für Einsteiger
- ● keine Kreditkarte