Wer Aktien bewertet, stößt früher oder später auf die Kennzahl EV/EBITDA, und fragt sich, was das bedeuten soll. Dahinter steckt eine der nützlichsten Methoden, um den wahren Wert eines Unternehmens einzuschätzen. Und das Gute: Du brauchst kein Wirtschaftsstudium, um sie zu verstehen.
Das steckt dahinter
EV/EBITDA setzt sich aus zwei Teilen zusammen, die ich dir in einfachen Worten erkläre.
EV steht für „Enterprise Value“, also den Unternehmenswert. Das ist nicht einfach der Börsenwert einer Aktie. Der Enterprise Value berücksichtigt zusätzlich die Schulden eines Unternehmens und zieht vorhandene Barmittel ab. Du bekommst also ein realistischeres Bild davon, was das Unternehmen tatsächlich „kostet“, wenn du es vollständig kaufen würdest.
EBITDA steht für den operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Vereinfacht gesagt: Was verdient das Unternehmen aus seinem tatsächlichen Geschäft, bevor Finanzierungskosten oder steuerliche Besonderheiten das Ergebnis verzerren?
Setzt man beides ins Verhältnis, entsteht EV/EBITDA. Diese Kennzahl macht Unternehmen vergleichbar, die unterschiedlich stark verschuldet sind oder in verschiedenen Ländern unterschiedliche Steuersätze zahlen. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber einfacheren Bewertungsmaßen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis. In meinen Webinaren erlebe ich immer wieder, wie Teilnehmer staunen, wie viel klarer Unternehmensvergleiche werden, sobald sie diesen einen Gedankensprung vollzogen haben.
Ein konkretes Beispiel
Stell dir vor, du schaust dir zwei Unternehmen aus dem Bereich Telekommunikation an. Beide erwirtschaften ein EBITDA von 500 Millionen Euro. Unternehmen A hat kaum Schulden, Unternehmen B trägt dagegen eine schwere Schuldenlast.
Der reine Aktienkurs würde dir sagen, dass beide ähnlich bewertet sind. Aber der Enterprise Value erzählt eine andere Geschichte: Bei Unternehmen B ist der EV deutlich höher, weil du als Käufer auch die Schulden „mitübernehmen“ würdest. Das EV/EBITDA von Unternehmen B ist also höher, und spiegelt damit das tatsächliche Risiko besser wider.
Genau dieses Prinzip wurde zum Beispiel bei der Analyse großer europäischer Telekomkonzerne in der Niedrigzinsphase nach 2015 intensiv diskutiert. Wer damals nur auf den Börsenwert schaute, übersah die massiven Schulden mancher Anbieter. Wer EV/EBITDA nutzte, erkannte die Unterschiede auf einen Blick.
Ein niedriges EV/EBITDA gilt dabei oft als Hinweis auf eine günstige Bewertung, vorausgesetzt, die übrigen Unternehmensdaten stimmen ebenfalls.
Warum ist das für dich relevant?
Diese Kennzahl begegnet dir vor allem dann, wenn du Aktien fundamental analysierst oder Unternehmen innerhalb einer Branche miteinander vergleichst. Besonders bei kapitalintensiven Sektoren wie Energie, Telekommunikation oder Industrie ist EV/EBITDA ein Standardwerkzeug professioneller Analysten.
Im Trading-Alltag hilft dir die Kennzahl, einzuschätzen, ob ein Einstiegskurs wirklich attraktiv ist oder ob du gerade zu viel für ein Unternehmen bezahlst. Sie ist kein magischer Indikator, aber kombiniert mit anderen Kennzahlen wie der Eigenkapitalrendite oder dem Kurs-Buchwert-Verhältnis bekommst du ein deutlich schärferes Bild.
Wenn du in meinen Webinaren eine Aktie zur Diskussion mitbringst, frage ich oft als Erstes: „Wie hoch ist das EV/EBITDA im Branchenvergleich?“ Das allein kann schon viele Fragen beantworten, oder neue aufwerfen.
Kurz gesagt: Wer diese Kennzahl versteht, bewertet Unternehmen nicht mehr nur nach Bauchgefühl, sondern mit einem klaren, belastbaren Maßstab.
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