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Glossar · Derivate & Optionen

Was ist Gamma? Einfach erklärt.

Was ist Gamma beim Optionshandel? Verständlich erklärt: Wie Gamma das Delta beeinflusst und warum es für Trader so wichtig ist.

Wer mit Optionen handelt, kommt früher oder später an einem Begriff nicht vorbei: Gamma. Es beschreibt, wie schnell sich das Delta einer Option verändert, und wer das versteht, hat einen echten Vorteil gegenüber Händlern, die diesen Zusammenhang ignorieren.

Das steckt dahinter

Um Gamma zu verstehen, müssen wir kurz einen Schritt zurückgehen. Das Delta einer Option gibt an, wie stark sich der Preis der Option bewegt, wenn sich der Kurs des Basiswerts um einen Punkt verändert. Liegt das Delta bei 0,5, steigt die Option um 50 Cent, wenn die Aktie um einen Euro steigt, vereinfacht gesagt.

Aber Delta ist keine feste Größe. Es verändert sich ständig, je nachdem wie der Kurs schwankt. Genau diese Veränderungsgeschwindigkeit des Deltas misst Gamma. Je höher der Wert, desto empfindlicher reagiert das Delta auf Kursbewegungen.

Das ist besonders wichtig bei sogenannten „at the money“-Optionen, also Optionen, deren Ausübungspreis nahe am aktuellen Kurs liegt. Hier ist Gamma typischerweise am höchsten. Nähert sich der Verfallstag, steigt der Wert noch weiter an. Das bedeutet: Selbst kleine Kursbewegungen können das Delta, und damit den Optionspreis, stark verschieben.

In meinen Webinaren erlebe ich immer wieder, dass Einsteiger das Delta kennen, Gamma aber unterschätzen. Das ist ein teurer Fehler, denn erst beide Kennzahlen zusammen zeigen das volle Bild des Risikos.

Ein konkretes Beispiel

Stell dir vor, du hältst eine Call-Option auf eine Aktie. Der aktuelle Kurs liegt bei 100 Euro, dein Ausübungspreis ebenfalls, du bist genau „at the money“. Das Delta liegt bei 0,5, das Gamma bei 0,08.

Steigt die Aktie jetzt um einen Euro auf 101 Euro, wird dein neues Delta nicht mehr 0,5 sein, sondern 0,58, es hat sich um den Gamma-Wert erhöht.

Besonders spannend wird das am Verfallstag. Im Januar 2021 erlebten viele Händler rund um die GameStop-Aktie hautnah, was ein extrem hohes Gamma auslösen kann: Optionen sprangen innerhalb von Minuten um ein Vielfaches, weil das Delta durch massive Kursbewegungen in Sekundenschnelle in eine völlig andere Region katapultiert wurde. Das war kein Einzelfall, ähnliche Situationen passieren regelmäßig bei stark gehandelten Werten kurz vor Ablauf der Optionen.

Warum ist das für dich relevant?

Wenn du nur gelegentlich Aktien kaufst und langfristig investierst, wirst du mit diesem Begriff vermutlich wenig in Berührung kommen. Aber sobald du beginnst, Optionen zu nutzen, sei es zur Absicherung deines Depots oder als eigenständige Handelsstrategie, wird das Verständnis dieser Kennzahl entscheidend.

Ein hohes Gamma bedeutet hohes Risiko, aber auch hohe Chancen. Wer das weiß, kann gezielt entscheiden: Möchte ich dieses Risiko eingehen, oder positioniere ich mich lieber in Optionen mit längerem Restlaufzeit, wo das Gamma deutlich ruhiger ist?

In der Praxis hilft dir dieses Wissen außerdem dabei, Positionen besser abzusichern. Viele professionelle Händler „hedgen“ ihr Gamma-Risiko aktiv, um nicht von plötzlichen Kursbewegungen überrascht zu werden. Das klingt komplex, aber wenn du die Grundlagen einmal verstanden hast, wird es schnell zur Routine.

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