Wenn Unternehmen ihre Zahlen veröffentlichen, stolperst du schnell über Abkürzungen wie QoQ, und fragst dich, was das bedeutet. QoQ steht für „quarter over quarter“, also den Vergleich eines Quartals mit dem direkt davor. Für Trader und Investoren ist das eine wichtige Kennzahl, um kurzfristige Trends im Geschäftsverlauf eines Unternehmens oder einer Volkswirtschaft frühzeitig zu erkennen.
Das steckt dahinter
Ein Jahr besteht aus vier Quartalen: Q1 (Januar bis März), Q2 (April bis Juni), Q3 (Juli bis September) und Q4 (Oktober bis Dezember). Wenn ein Unternehmen seine Quartalszahlen meldet, interessiert Analysten und Investoren nicht nur der Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sondern auch, wie sich das Ergebnis im Vergleich zum unmittelbar vorangegangenen Quartal entwickelt hat. Genau das misst QoQ.
Der Unterschied zu YoY („year over year“) ist dabei entscheidend: YoY vergleicht immer denselben Zeitraum zweier aufeinanderfolgender Jahre und gleicht damit saisonale Schwankungen aus. QoQ dagegen zeigt dir das aktuelle Momentum, also ob ein Unternehmen gerade an Fahrt gewinnt oder verliert.
Das Gleiche gilt übrigens auch auf Monatsebene: MoM („month over month“) funktioniert nach exakt demselben Prinzip, nur mit Monaten statt Quartalen. All diese Kennzahlen gehören zur Welt der Makro- und Konjunkturanalyse und helfen dir, Entwicklungen zeitlich richtig einzuordnen.
In meinen Webinaren erlebe ich immer wieder, dass Einsteiger die reinen Jahreszahlen betrachten und dabei übersehen, dass ein Unternehmen im laufenden Jahr zwar gut dasteht, auf Quartalsbasis aber bereits spürbar schwächelt. Genau hier setzt QoQ an.
Ein konkretes Beispiel
Stell dir vor, ein Technologieunternehmen meldet für das dritte Quartal einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro, nach 5,0 Milliarden Euro im zweiten Quartal. Das entspricht einem QoQ-Wachstum von rund 4 Prozent. Klingt solide.
Im Jahresvergleich (YoY) jedoch sieht das Bild noch deutlich besser aus: Im dritten Quartal des Vorjahres lag der Umsatz erst bei 4,2 Milliarden Euro, das ergibt ein YoY-Wachstum von über 23 Prozent. Dieser Effekt entsteht oft, weil das Basisjahr schwach war, zum Beispiel durch wirtschaftliche Einbrüche oder einmalige Belastungen.
Das Beispiel zeigt: Wenn du nur auf YoY schaust, siehst du ein beeindruckendes Wachstum. Erst der QoQ-Blick verrät dir, dass sich das Tempo in den letzten Monaten deutlich verlangsamt hat. Das kann ein erster Hinweis darauf sein, dass die starke Wachstumsphase ausläuft, und damit für deine Handelsentscheidungen höchst relevant ist.
Warum ist das für dich relevant?
QoQ begegnet dir überall dort, wo Unternehmen oder Behörden regelmäßig Zahlen veröffentlichen: bei Quartalsberichten börsennotierter Unternehmen, bei Konjunkturdaten wie dem Bruttoinlandsprodukt oder bei Einzelhandelsumsätzen. Wer Earnings-Berichte liest oder Wirtschaftsdaten für sein Trading auswertet, kommt an dieser Kennzahl nicht vorbei.
Konkret hilft dir das Verstehen von QoQ dabei, Über- und Untertreibungen am Markt besser einzuschätzen. Wenn der Aktienkurs eines Unternehmens nach einer starken YoY-Meldung steigt, der QoQ-Vergleich aber eine Abschwächung zeigt, solltest du genauer hinschauen, statt einfach dem ersten Impuls zu folgen. Das ist kein Hexenwerk, sondern verständlich erklärt: Es geht darum, Zahlen im richtigen Zusammenhang zu lesen.
Verwandte Begriffe aus Konjunktur & Daten
Begriffe kennen ist der Anfang. Märkte lesen ist das Ziel.
Im kostenlosen Live-Workshop zeigt dir Oliver, wie diese Begriffe am echten Chart zusammenspielen und wie du daraus Entscheidungen ableitest, die du nachprüfen kannst.
Kostenlos zum Live-Workshop- ● 0 €
- ● live mit Oliver Klemm
- ● verständlich für Einsteiger
- ● keine Kreditkarte