Wenn du dich mit Anleihen beschäftigst, begegnet dir früher oder später der Begriff Nennwert, und er ist wichtiger, als er auf den ersten Blick wirkt. Er sagt dir genau, wie viel Geld du am Ende der Laufzeit zurückbekommst, egal was zwischendurch an der Börse passiert. Wer das versteht, trifft deutlich bessere Entscheidungen beim Kauf von Schuldverschreibungen und Staatsanleihen.
Das steckt dahinter
Der Nennwert, auf Englisch face value oder par, ist der aufgedruckte Rückzahlungsbetrag einer Anleihe. Er ist der Festpreis, den der Herausgeber der Anleihe dir am Ende der Laufzeit schuldet. Typischerweise beträgt er 100 Euro oder ein Vielfaches davon.
Das Entscheidende: Der Kurs einer Anleihe schwankt während ihrer Laufzeit. Angebot und Nachfrage, Zinsentwicklungen und die Bonität des Herausgebers sorgen dafür, dass der Marktpreis mal über, mal unter dem Nennwert liegt. Notiert eine Anleihe bei 95, bedeutet das, du kaufst sie günstiger als ihren Rückzahlungswert. Notiert sie bei 105, zahlst du einen Aufschlag.
Am Ende der Laufzeit aber gleicht sich alles an: Der Emittent zahlt dir immer den festgelegten Nennwert zurück, nicht mehr, nicht weniger. Genau das macht Anleihen für viele Investoren so planbar. Du weißt von Anfang an, was du zurückbekommst.
Ergänzend dazu gibt es den Kupon, also die regelmäßige Zinszahlung. Auch dieser orientiert sich am Nennwert. Ein Kupon von 3 % bei einem Nennwert von 1.000 Euro bedeutet: 30 Euro Zinsen pro Jahr, unabhängig davon, was die Anleihe gerade an der Börse kostet.
Ein konkretes Beispiel
Stell dir vor, du kaufst eine Bundesanleihe mit einem Nennwert von 1.000 Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren. Der aktuelle Marktpreis liegt bei 950 Euro, die Anleihe notiert also unter ihrem Ausgabewert.
Du kaufst sie für 950 Euro. Während der fünf Jahre erhältst du jährlich deinen Kupon ausgezahlt. Am Ende der Laufzeit bekommst du 1.000 Euro zurück, den vollen Nennwert. Der Unterschied von 50 Euro zwischen Kaufpreis und Rückzahlungsbetrag ist dein zusätzlicher Kursgewinn.
Genau dieses Prinzip habe ich in meinen Webinaren schon vielen Einsteigern erklärt, der Moment, in dem der Groschen fällt, ist jedes Mal derselbe: „Ah, die Anleihe kann günstiger sein, aber ich bekomme trotzdem den vollen Betrag zurück.“ Richtig. Und das macht den Unterschied bei der Renditeberechnung.
Warum ist das für dich relevant?
Du wirst dem Nennwert immer dann begegnen, wenn du Anleihen analysierst, kaufst oder in Anleihefonds investierst. Er ist die Grundlage für die Berechnung der Rendite, des Kupons und des Kursgewinns oder -verlusts.
Wer diesen Begriff nicht versteht, läuft Gefahr, einen Anleihekurs von 95 als Verlust zu interpretieren, dabei kann genau das eine attraktive Kaufgelegenheit sein. Wenn du weißt, dass du am Laufzeitende den vollen Nominalwert zurückbekommst, kannst du den tatsächlichen Ertrag einer Anleihe viel besser einschätzen.
Außerdem hilft dir das Wissen beim Vergleich: Zwei Anleihen mit gleichem Kupon, aber unterschiedlichen Kursen liefern am Ende unterschiedliche Gesamtrenditen. Der Schlüssel liegt immer im Rückzahlungswert, also im Nennwert.
Verwandte Begriffe aus Anleihen & Kredit
Begriffe kennen ist der Anfang. Märkte lesen ist das Ziel.
Im kostenlosen Live-Workshop zeigt dir Oliver, wie diese Begriffe am echten Chart zusammenspielen und wie du daraus Entscheidungen ableitest, die du nachprüfen kannst.
Kostenlos zum Live-Workshop- ● 0 €
- ● live mit Oliver Klemm
- ● verständlich für Einsteiger
- ● keine Kreditkarte