Wer in Anleihen investiert oder Nachrichten über Staatsschulden liest, stolpert früher oder später über den Begriff Rating. Dabei handelt es sich um eine Art Schulnote für die Kreditwürdigkeit eines Schuldners, also die Einschätzung, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand seine Schulden zurückzahlen kann. Für Trader und Investoren ist das eine der wichtigsten Kennzahlen überhaupt, denn sie beeinflusst direkt Zinsen, Kurse und Risiken.
Das steckt dahinter
Das Rating wird von spezialisierten Agenturen vergeben. Die bekanntesten sind Moody's, Standard & Poor's (S&P) und Fitch. Sie analysieren Unternehmen, Staaten oder andere Schuldner und bewerten deren Zahlungsfähigkeit nach einer festgelegten Skala.
Die Skala reicht grob gesagt von sehr gut bis zahlungsunfähig. Bei S&P sieht das so aus: AAA steht für höchste Bonität, also minimales Ausfallrisiko. Darunter folgen AA, A, BBB und weitere Stufen. Ab BB gilt ein Schuldner als spekulativ, das nennt man auch „Hochzinsanleihe“ oder umgangssprachlich „Junk Bond“. Ganz unten steht D, was für einen bereits eingetretenen Zahlungsausfall steht.
Je schlechter die Bonitätsnote, desto höher müssen die Zinsen auf neue Kredite oder Anleihen ausfallen, denn Gläubiger wollen für ein höheres Risiko entschädigt werden. Umgekehrt gilt: Wer eine top Bonitätsbewertung hat, bekommt Geld zu günstigen Konditionen. Das ist der direkte Mechanismus, der Märkte und Kapitalkosten bewegt. In meinen Webinaren erlebe ich immer wieder, dass viele Einsteiger diesen Zusammenhang unterschätzen, dabei ist er ein zentrales Puzzlestück, um Anleihemärkte wirklich zu verstehen.
Ein konkretes Beispiel
Im Jahr 2011 erlebte die Welt ein Ereignis, das zeigt, wie groß der Einfluss einer Bonitätsbewertung sein kann: S&P stufte die Kreditwürdigkeit der USA von AAA auf AA+ herab. Das klingt nach einem kleinen Schritt auf der Skala, war in der Praxis aber ein historischer Moment.
Die Reaktion an den Märkten war unmittelbar: Aktien fielen, die Volatilität schoss hoch, und Investoren weltweit überprüften ihr Portfolio. Obwohl die USA weiterhin als sehr sicherer Schuldner galten, sorgte allein die Nachricht über die Herabstufung für massive Kursbewegungen. Für Anleiheinhaber bedeutete sie langfristig: Neue US-Anleihen müssen potenziell höhere Zinsen bieten, um Investoren zu überzeugen.
Dieses Beispiel zeigt in einfachen Worten, wie sensibel die Märkte auf Veränderungen in der Bonitätsbewertung reagieren, selbst bei den scheinbar sichersten Schuldnern der Welt.
Warum ist das für dich relevant?
Du wirst dem Thema Rating vor allem dann begegnen, wenn du in Anleihen, ETFs auf Anleihen oder auch in Unternehmensaktien investierst. Wird ein Unternehmen, dessen Aktie du hältst, in seiner Kreditwürdigkeit herabgestuft, steigen die Finanzierungskosten, das drückt auf die Gewinne und damit oft auf den Aktienkurs.
Auch bei der Auswahl von Anleihen-ETFs spielt die durchschnittliche Bonitätsnote der enthaltenen Wertpapiere eine entscheidende Rolle. Ein ETF mit vielen BBB-Anleihen trägt ein anderes Risikoprofil als einer mit überwiegend AAA-gerateten Papieren.
Kurz gesagt: Wer versteht, wie Bonitätsbewertungen funktionieren und wie Agenturen Schuldner einschätzen, trifft fundiertere Entscheidungen, ob beim Kauf einzelner Anleihen, bei der Portfolioabsicherung oder beim Lesen von Finanznachrichten.
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