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Glossar · Anleihen & Kredit

Was ist Steepening? Einfach erklärt.

Was bedeutet Steepening? Ich erkläre dir verständlich, wie die Versteilerung der Zinskurve funktioniert und was sie für deine Investments bedeutet.

Wenn du dich mit Anleihen oder Zinsen beschäftigst, wirst du früher oder später auf den Begriff Steepening stoßen. Er beschreibt eine ganz bestimmte Bewegung an den Rentenmärkten, und wer sie versteht, kann Marktphasen deutlich besser einordnen. Für Trader und Investoren ist das kein akademisches Detail, sondern handfestes Wissen, das Entscheidungen beeinflusst.

Das steckt dahinter

Das Wort Steepening lässt sich mit „Versteilerung“ übersetzen, und gemeint ist damit die Versteilerung der sogenannten Zinskurve. Aber was ist das überhaupt?

Die Zinskurve zeigt, welche Rendite Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten abwerfen. Auf der horizontalen Achse stehen die Laufzeiten, von kurzfristigen Anleihen (zum Beispiel 2-jährige Staatsanleihen) bis hin zu langfristigen (etwa 10- oder 30-jährige). Die vertikale Achse zeigt die jeweilige Rendite.

Im Normalfall steigt diese Kurve leicht an: Wer sein Geld länger verleiht, bekommt mehr Zinsen dafür. Von einem Steepening spricht man, wenn dieser Unterschied zunimmt, wenn also die langfristigen Renditen stärker steigen als die kurzfristigen, oder wenn die kurzfristigen Renditen stärker fallen als die langfristigen.

Entscheidend dabei ist der sogenannte Spread, also der Renditeabstand zwischen kurzen und langen Laufzeiten. Wächst dieser Abstand, wird die Kurve steiler. Das ist das Steepening.

Dieses Phänomen tritt häufig in zwei Varianten auf: Beim sogenannten Bull Steepening fallen die kurzfristigen Renditen, weil der Markt baldige Zinssenkungen der Zentralbank erwartet. Beim Bear Steepening steigen die langfristigen Renditen, oft weil Investoren höhere Inflationserwartungen oder wachsende Staatsschulden einpreisen.

Ein konkretes Beispiel

Ein gutes reales Beispiel ist die Phase Ende 2023 und Anfang 2024 in den USA. Die US-Notenbank (Federal Reserve) hatte die Leitzinsen stark angehoben, um die Inflation zu bekämpfen. Die kurzfristigen Renditen, etwa die 2-jährigen US-Staatsanleihen, lagen zeitweise über 5 Prozent.

Als dann erste Signale kamen, dass die Fed den Zinsgipfel erreicht haben könnte, fingen die kurzfristigen Renditen an zu fallen, während die 10-jährigen Renditen zunächst erhöht blieben. Der Spread zwischen beiden weitete sich aus. Die Kurve wurde steiler. Ein klassisches Bull Steepening.

In meinen Webinaren zeige ich diesen Mechanismus gern live am Chart, weil er so direkt sichtbar macht, was der Markt in diesem Moment über die Zukunft denkt. Die Zinskurve ist wie ein Stimmungsbarometer für Zinserwartungen, wenn du lernst, sie zu lesen, siehst du Marktbewegungen oft früher kommen.

Warum ist das für dich relevant?

Du fragst dich: Ich handle Aktien oder ETFs, was geht mich das an?

Mehr, als du denkst. Ein Steepening hat nämlich Auswirkungen auf verschiedene Anlageklassen:

  • Banken profitieren oft davon, weil sie kurzfristig Geld aufnehmen und langfristig verleihen. Wächst der Abstand, wächst ihre Zinsmarge.
  • Wachstumsaktien reagieren empfindlich auf steigende Langfristzinsen, ein Bear Steepening kann hier Gegenwind bedeuten.
  • Anleihen-Investoren müssen ihre Laufzeitenstrategie anpassen, wenn sich die Kurvenstruktur verschiebt.

Selbst wenn du ausschließlich in Aktien oder Fonds investierst, hilft dir das Verständnis der Zinskurve dabei, das große Bild zu erkennen. Welche Sektoren laufen gerade gut? Warum zieht der Finanzsektor an? Warum werden Technologieaktien verkauft? Hinter vielen dieser Bewegungen steckt eine Veränderung in der Zinsstruktur, und oft ist Steepening der Schlüsselbegriff dazu.

Dein nächster Schritt

Begriffe kennen ist der Anfang. Märkte lesen ist das Ziel.

Im kostenlosen Live-Workshop zeigt dir Oliver, wie diese Begriffe am echten Chart zusammenspielen und wie du daraus Entscheidungen ableitest, die du nachprüfen kannst.

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