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Glossar · Anleihen & Kredit

Was ist Credit Spread? Einfach erklärt.

Was ist ein Credit Spread? Verständlich erklärt: wie du den Renditeaufschlag von Anleihen liest und für deine Handelsentscheidungen nutzt.

Wer an den Anleihemärkten unterwegs ist, begegnet dem Begriff Credit Spread früher oder später unweigerlich. Dabei ist das Konzept gar nicht so schwer zu verstehen, wenn man es einmal in einfachen Worten erklärt bekommt. Und genau das tue ich hier, denn dieser Wert gehört zu den wichtigsten Signalen, die dir der Markt liefert.

Das steckt dahinter

Stell dir vor, du leihst Geld an zwei verschiedene Schuldner: einmal an den deutschen Staat, einmal an ein mittelgroßes Unternehmen. Beide zahlen dir Zinsen, aber wie viel? Der Staat gilt als praktisch ausfallsicher, also bekommst du dort einen niedrigen Zins. Das Unternehmen hingegen könnte in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in Schwierigkeiten geraten. Deshalb musst du als Gläubiger mehr Rendite verlangen, um das höhere Risiko zu rechtfertigen.

Genau diese Differenz zwischen den beiden Zinssätzen ist der Credit Spread, also der Renditeaufschlag, den du für das zusätzliche Risiko bekommst. Er wird meist in Basispunkten gemessen, wobei 100 Basispunkte einem Prozentpunkt entsprechen.

Das Entscheidende: Der Credit Spread ist kein statischer Wert. Er bewegt sich ständig, je nachdem, wie die Marktteilnehmer das Kreditrisiko einschätzen. Steigt die Unsicherheit an den Märkten, etwa wegen einer Rezession, steigender Insolvenzzahlen oder geopolitischer Spannungen, weiten sich die Spreads aus. Kehrt Vertrauen zurück, engen sie sich wieder ein. Du hast hier also ein lebendiges Stimmungsbarometer vor dir, das dir zeigt, wie risikobereit oder risikoscheu der Markt gerade ist.

Ein konkretes Beispiel

Ich erinnere mich gut an meinen Webinar-Teilnehmer Thomas, der im Herbst 2022 fragte, warum Unternehmensanleihen plötzlich so stark unter Druck gerieten. Die Antwort lag im Credit Spread.

Als die Notenbanken weltweit die Leitzinsen drastisch anhoben, stiegen die Renditen auf Staatsanleihen stark an. Gleichzeitig wuchs die Sorge, dass viele Unternehmen ihre höheren Refinanzierungskosten nicht stemmen könnten. Die Folge: Der Renditeaufschlag auf Unternehmensanleihen mit schlechterer Bonität, also sogenannte Hochzinsanleihen oder High-Yield-Bonds, weitete sich innerhalb weniger Monate von rund 300 auf über 600 Basispunkte aus. Das bedeutete: Der Markt verlangte doppelt so viel Risikoaufschlag wie noch zu Jahresbeginn.

Wer dieses Signal frühzeitig gelesen hatte, konnte sich defensiver positionieren, zum Beispiel, indem er Aktien von stark verschuldeten Unternehmen aus dem Depot reduzierte oder gezielt in sichere Staatsanleihen umschichtete.

Warum ist das für dich relevant?

Du musst kein Anleihe-Spezialist sein, um vom Credit Spread zu profitieren. Als Trader oder Investor begegnet er dir in mehreren Situationen:

Als Frühwarnsystem: Weiten sich die Spreads aus, ist das oft ein Zeichen, dass die Stimmung am Markt kippt, noch bevor es die Aktienkurse deutlich zeigen. Viele erfahrene Marktteilnehmer schauen deshalb regelmäßig auf die Entwicklung der Spreads im Hochzinsbereich.

Bei der Einzeltitelauswahl: Steigt der Risikoaufschlag auf die Anleihen eines bestimmten Unternehmens stark an, fragt der Markt damit im Klartext: Kann dieser Schuldner seine Verbindlichkeiten noch bedienen? Das ist ein Signal, das auch Aktionäre ernst nehmen sollten.

Zur Markteinschätzung: Ein enger Credit Spread signalisiert Vertrauen und Risikobereitschaft. Ein breiter Spread bedeutet Vorsicht und Skepsis. Beide Zustände beeinflussen, wie Kapital zwischen Anlageklassen fliesst.

In meinen Webinaren zeige ich regelmäßig, wie man diese Informationen kostenlos abrufen und in die eigene Marktanalyse einbauen kann, ganz ohne komplizierte Werkzeuge.

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