Wer in Anleihen investiert oder sich für Kreditmärkte interessiert, begegnet früher oder später dem Begriff Default. Gemeint ist damit ein Zahlungsausfall, also der Moment, in dem ein Schuldner seine vereinbarten Zins- oder Rückzahlungen nicht mehr leisten kann. Für Anleger kann das unangenehme Folgen haben, und deshalb lohnt es sich, diesen Begriff genau zu verstehen.
Das steckt dahinter
Wenn du eine Anleihe kaufst, leihst du einem Unternehmen oder einem Staat Geld. Im Gegenzug erhältst du regelmäßige Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit dein eingesetztes Kapital zurück, so lautet zumindest der Plan. Ein Default tritt ein, wenn der Schuldner dieser Verpflichtung nicht mehr nachkommen kann. Das kann schrittweise passieren: Zuerst werden nur die Zinsen nicht mehr gezahlt, später folgt der vollständige Ausfall der Rückzahlung.
Es gibt dabei unterschiedliche Schweregrade. Manche Schuldner handeln mit ihren Gläubigern eine Umschuldung aus, das bedeutet, die Laufzeit wird verlängert oder die Zinsen werden gesenkt. In anderen Fällen kommt es zu einem harten Schnitt, bei dem Anleger nur noch einen Bruchteil ihres investierten Geldes zurückerhalten. In meinen Webinaren erlebe ich immer wieder, dass viele Einsteiger glauben, Anleihen seien grundsätzlich sicher. Das stimmt so nicht. Das Ausfallrisiko, also das Risiko eines Defaults, ist ein zentraler Faktor bei jeder Anleihe-Analyse.
Rating-Agenturen wie Moody's, S&P oder Fitch bewerten genau dieses Risiko. Je schlechter das Rating, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls, und desto höher müssen die Zinsen sein, um Investoren überhaupt anzulocken.
Ein konkretes Beispiel
Eines der bekanntesten Beispiele ist Argentinien. Das Land erklärte im Jahr 2001 den größten Staatsschulden-Default der Geschichte bis dahin, mit einem Schuldenberg von rund 100 Milliarden US-Dollar. Anleger, die argentinische Staatsanleihen hielten, bekamen in den folgenden Umschuldungsverhandlungen teils nur 30 bis 35 Cent je investiertem Euro zurück.
Auch auf Unternehmensseite gibt es einprägsame Fälle: Der Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahr 2008 führte zum Ausfall von Anleihen im Milliardenbereich. Viele institutionelle Investoren, aber auch private Anleger, erlitten massive Verluste.
Diese Beispiele zeigen klar: Ein Default ist kein theoretisches Szenario. Er kann jeden treffen, der in Schuldpapiere investiert, ob in Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder sogenannte Hochzinsanleihen, also Papiere mit schlechterem Rating.
Warum ist das für dich relevant?
Selbst wenn du nicht aktiv Anleihen handelst, begegnet dir das Thema Zahlungsausfall an der Börse regelmäßig. Nachrichten über drohende Staatspleiten, angeschlagene Unternehmen oder steigende Risikoaufschläge bei Anleihen bewegen ganze Märkte, und damit auch Aktien, Währungen und Rohstoffe.
Wer den Begriff Default versteht, kann Marktnachrichten besser einordnen und fundierter entscheiden. Konkret hilft dir dieses Wissen zum Beispiel dabei:
- Anleihen besser zu bewerten, bevor du investierst
- Risikosignale frühzeitig zu erkennen, etwa wenn Risikoaufschläge sprunghaft steigen
- Diversifikation sinnvoll einzusetzen, um das Ausfallrisiko einzelner Positionen zu begrenzen
Gerade in Zeiten steigender Zinsen und wirtschaftlicher Unsicherheit steigt die Gefahr von Zahlungsausfällen bei hoch verschuldeten Unternehmen. Das Thema ist also alles andere als verstaubt, es ist hochaktuell.
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