Wer mit geliehenem Kapital an der Börse handelt, sollte einen Begriff unbedingt kennen: den Margin Call. Dahinter steckt eine Nachschussforderung deines Brokers, und sie kommt meist genau dann, wenn du es am wenigsten gebrauchen kannst. Wer diesen Mechanismus versteht, handelt deutlich bewusster und vermeidet teure Fehler.
Das steckt dahinter
Wenn du auf Kredit handelst, also mit sogenanntem Hebel, stellst du nur einen Teil des Gesamtkapitals selbst bereit. Diesen Eigenanteil nennt man Margin, auf Deutsch: Sicherheitsleistung. Der Rest kommt vom Broker.
Läuft die Position in die falsche Richtung, schmilzt deine Sicherheitsleistung. Fällt sie unter einen bestimmten Schwellenwert, schlägt der Broker Alarm: Du erhältst einen Margin Call, die Aufforderung, sofort frisches Kapital nachzuschießen, um die Position offenzuhalten.
Reagierst du nicht schnell genug oder hast du kein Geld mehr verfügbar, schließt der Broker die Position zwangsweise. Das nennt sich Zwangsliquidation oder auch Margin Closeout. Du hast dann keine Wahl mehr, der Verlust ist realisiert, egal ob du gewartet hättest oder nicht.
Besonders tückisch: In volatilen Marktphasen, also wenn die Kurse stark schwanken, kann dieser Prozess innerhalb von Minuten ablaufen. Viele Einsteiger erleben ihren ersten Margin Call in genau solchen Momenten und sind schlicht überrumpelt, weil sie den Mechanismus vorher nicht wirklich verstanden hatten. In meinen Webinaren sehe ich das regelmäßig.
Ein konkretes Beispiel
Stell dir vor, du kaufst eine Aktienposition im Wert von 10.000 Euro, hinterlegst aber nur 1.000 Euro als Sicherheit, Hebel 10. Fällt der Kurs jetzt um zehn Prozent, ist deine gesamte Sicherheitsleistung rechnerisch aufgebraucht.
Genau das passierte vielen Privattradern während des Corona-Crashs im März 2020. Innerhalb weniger Tage brachen viele Positionen dramatisch ein. Wer mit hohem Hebel unterwegs war, bekam einen Margin Call nach dem anderen, und musste entweder schnell Kapital nachschießen oder zusehen, wie der Broker Positionen automatisch schloss. Wer nicht vorbereitet war, realisierte in dieser Phase Verluste, die vermeidbar gewesen wären.
Warum ist das für dich relevant?
Ein Margin Call begegnet dir immer dann, wenn du Produkte mit Hebelwirkung nutzt: CFDs, Futures, gehebelte ETFs oder auch den klassischen Aktienkredit beim Broker. Je höher der Hebel, desto kleiner der Puffer, und desto näher ist die Nachschussforderung bei einer normalen Kursschwankung.
Das Verstehen dieses Mechanismus hilft dir bei ganz konkreten Entscheidungen:
- Wie viel Hebel ist für mich sinnvoll? Wer weiß, wann ein Margin Call droht, wählt seinen Hebel bewusster.
- Wie viel Kapital halte ich als Reserve? Eine Liquiditätsreserve kann dir Zeit kaufen, anstatt dich zu einem schlechten Zeitpunkt aus dem Markt zu drängen.
- Wo setze ich meinen Stop-Loss? Ein sauber gesetzter Stop-Loss kann die Zwangsliquidation durch den Broker ersetzen, und gibt dir die Kontrolle zurück.
Kurz gesagt: Wer den Margin Call kennt, handelt vorausschauender. Wer ihn ignoriert, lernt ihn auf die teure Tour kennen.
Verwandte Begriffe aus Risiko & Portfolio
Begriffe kennen ist der Anfang. Märkte lesen ist das Ziel.
Im kostenlosen Live-Workshop zeigt dir Oliver, wie diese Begriffe am echten Chart zusammenspielen und wie du daraus Entscheidungen ableitest, die du nachprüfen kannst.
Kostenlos zum Live-Workshop- ● 0 €
- ● live mit Oliver Klemm
- ● verständlich für Einsteiger
- ● keine Kreditkarte