Wer am Terminmarkt handelt oder in Rohstoff-ETFs investiert, stolpert früher oder später über den Begriff Contango. Klingt kompliziert, ist es aber nicht, wenn man es einmal in klarer Sprache erklärt bekommt. Und es lohnt sich: Diese Marktstruktur hat direkten Einfluss auf deine Rendite, ohne dass du es auf den ersten Blick merkst.
Das steckt dahinter
An den Terminmärkten werden Rohstoffe nicht nur zum heutigen Preis gehandelt, sondern auch für zukünftige Liefertermine. Der aktuelle Preis heißt Kassapreis oder Spotpreis. Der Preis für einen Kontrakt, der erst in drei oder sechs Monaten fällig wird, kann davon abweichen, und genau hier kommt die Marktstruktur ins Spiel.
Von Contango spricht man, wenn die Terminpreise höher liegen als der aktuelle Spotpreis. Der Markt erwartet also, dass der Rohstoff in der Zukunft teurer sein wird, oder er berücksichtigt Kosten wie Lagerung, Versicherung und Finanzierung, die bis zur Lieferung anfallen.
Das Gegenteil davon ist die sogenannte Backwardation: Hier sind die Terminpreise niedriger als der aktuelle Preis. Das passiert zum Beispiel, wenn ein kurzfristiger Versorgungsengpass den Spotpreis in die Höhe treibt.
Für den Anleger oder Trader hat Contango eine ganz praktische Konsequenz: Wer in Future-basierte Produkte investiert, etwa über einen Rohstoff-ETP oder einen ETF auf Öl-Futures, muss regelmäßig auslaufende Kontrakte in neue, teurere Kontrakte umschichten. Dieses sogenannte Rollen kostet Geld. Diese Rollverluste fressen Rendite, oft ohne dass man es auf einem Chart direkt sieht.
Ein konkretes Beispiel
Besonders deutlich wurde das Prinzip im Frühjahr 2020 am Ölmarkt. Der Spotpreis für WTI-Rohöl fiel damals ins Negative, ein historisch einmaliges Ereignis. Gleichzeitig lagen die Futurepreise für spätere Monate noch im positiven Bereich. Die Terminkurve zeigte eine extrem steile Contango-Struktur.
Wer zu diesem Zeitpunkt über einen Öl-ETF auf steigende Preise gesetzt hatte, erlebte eine böse Überraschung: Selbst als sich der Ölpreis erholte, blieb die Rendite des Produkts weit hinter der Preisentwicklung zurück. Der Grund waren die massiven Rollverluste durch Contango. In meinen Webinaren nutze ich dieses Beispiel regelmäßig, weil es so eindrücklich zeigt, dass Marktstruktur und Produktperformance zwei verschiedene Dinge sein können.
Konkret: Liegt der aktuelle Ölpreis bei 70 Dollar und der Drei-Monats-Future bei 74 Dollar, entstehen beim Rollen vier Dollar Differenz pro Kontrakt als Kosten. Über Monate summiert sich das spürbar.
Warum ist das für dich relevant?
Du begegnest Contango vor allem dann, wenn du in Rohstoff-Produkte investierst, die auf Futures basieren: Öl, Erdgas, Weizen oder auch Metalle wie Kupfer. Physisch hinterlegte Produkte, etwa Gold-ETCs, die echtes Gold halten, sind davon nicht betroffen. Beim Handel mit Future-basierten Produkten dagegen ist ein Blick auf die Terminkurve kein Nice-to-have, sondern notwendig.
Wenn du verstehst, ob ein Markt in Contango oder Backwardation ist, kannst du besser einschätzen, ob ein Long-Investment über Futures sinnvoll ist, oder ob du lieber auf physisch besicherte Alternativen ausweichst. Gerade für längere Haltedauern macht das einen erheblichen Unterschied. In meiner Trading-Community fragen Einsteiger das übrigens fast jedes Mal, wenn wir über Rohstoff-Investments sprechen. Ein gutes Zeichen, denn wer diese Frage stellt, denkt bereits wie ein Profi.
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