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Glossar · Anleihen & Kredit

Was ist Convexity? Einfach erklärt.

Was bedeutet Convexity bei Anleihen? Verständlich erklärt: Wie die Krümmung des Kursverhaltens deine Zinsstrategie verbessert.

Wer in Anleihen investiert, kommt irgendwann an einem Begriff nicht vorbei: Convexity. Er beschreibt, wie ein Anleihekurs tatsächlich auf Zinsänderungen reagiert, und warum diese Reaktion eben keine gerade Linie ist, sondern eine leichte Kurve. Wer das versteht, trifft bessere Entscheidungen beim Auf- und Abbau von Anleihe-Positionen.

Das steckt dahinter

In meinen Webinaren erlebe ich immer wieder, dass Einsteiger die Duration kennen, also das Maß dafür, wie sensibel ein Anleihekurs auf steigende oder fallende Zinsen reagiert. Was viele aber nicht wissen: Die Duration allein ist nur eine Näherung. Sie rechnet so, als würde der Kurs einer Anleihe auf Zinsänderungen vollkommen gleichmäßig reagieren. In der Praxis ist das nicht so.

Genau hier kommt Convexity ins Spiel. Sie verfeinert das Bild und beschreibt die Krümmung in der Beziehung zwischen Zins und Kurs. Stell dir eine Kurve vor, die sich leicht nach oben wölbt: Wenn die Zinsen sinken, steigt der Anleihekurs stärker, als die Duration allein vorhersagen würde. Wenn die Zinsen steigen, fällt der Kurs weniger stark als erwartet.

Das klingt zunächst abstrakt, ist aber eine entscheidende Eigenschaft. Je höher die Convexity einer Anleihe, desto asymmetrischer verhält sie sich, und das zugunsten des Investors. Kursgewinne fallen größer aus, Kursverluste werden abgepuffert. Diese Krümmung entsteht durch die Struktur der Zahlungsströme einer Anleihe: Laufzeit, Kupons und Rückzahlungsbetrag bestimmen gemeinsam, wie ausgeprägt diese Wölbung ist. Anleihen mit langer Laufzeit und niedrigem Kupon weisen in der Regel eine besonders hohe Krümmung auf.

Ein konkretes Beispiel

Schauen wir auf den Zinsanstieg in der Eurozone zwischen 2022 und 2023. Die Europäische Zentralbank erhöhte die Leitzinsen in kurzer Zeit deutlich. Wer damals lang laufende Staatsanleihen hielt, spürte das schmerzhaft, aber der Kursrückgang fiel bei Anleihen mit hoher Convexity geringer aus als bei vergleichbaren Papieren mit niedrigerer Krümmung.

Ein einfaches Zahlenbeispiel: Zwei Anleihen haben dieselbe Duration von 8 Jahren. Anleihe A hat eine niedrige, Anleihe B eine hohe Convexity. Steigen die Zinsen um einen Prozentpunkt, verlieren beide an Wert, aber Anleihe B verliert weniger. Fallen die Zinsen hingegen um einen Prozentpunkt, gewinnt Anleihe B mehr. Dieselbe Logik, nur umgekehrt. In der Praxis ist das kein kleiner Unterschied, sondern kann über mehrere Prozentpunkte Rendite entscheiden.

Warum ist das für dich relevant?

Du wirst Convexity vor allem dann begegnen, wenn du ernsthaft mit Anleihen handelst oder ein Portfolio mit festverzinslichen Wertpapieren aufbaust. Institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionsfonds steuern ihre Zinsrisiken aktiv über diese Kennzahl. Aber auch als privater Investor lohnt es sich, das Konzept zu verstehen.

Konkret hilft es dir bei diesen Fragen: Welche Anleihe schützt mein Portfolio besser, wenn die Zinsen unerwartet stark steigen? Welche profitiert stärker, wenn die Zinsen fallen? Wer nur auf die Duration schaut, sieht nur einen Teil des Bildes. Die Krümmung, also die Convexity, zeigt dir, wie sich eine Anleihe in beiden Richtungen wirklich verhält.

In einfachen Worten: Hohe Convexity ist wie ein eingebauter Schutzpuffer. Du gewinnst mehr, wenn es läuft, und verlierst weniger, wenn es gegen dich läuft. Das ist eine Eigenschaft, für die Anleger an den Märkten auch bereit sind, einen Aufschlag zu zahlen.

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